Meine Arbeit

In Langenbruck wurde nach über siebzig Jahren Betrieb der Skilift abmontiert. Der Klimawandel machte ihm den Garaus.
Ein Hauch von Melancholie umweht die Szenerie. Aus der Traum vom Schnee, der Traum vom flotten Skileben. Vom Skilift «Untere Wanne» bei Langenbruck sind nur das Wärterhäuschen und ein letzter Stützmast übrig. Der ganze Rest, Masten, Rollenbatterien und Seilscheiben, liegt etwa hundert Meter entfernt beim Parkplatz bei der Solarbobbahn, etwas lieblos aneinandergereiht. Einer der letzten Skilifte im Baselbiet ist Geschichte.
«Alles ist vergänglich», meint ein älterer Herr, der seine Hündin spazieren führt, mit Blick auf die meterhohen Stützen, und zuckt die Achseln. Was einst Skifahrer den Hügel hochgezogen hat, ist inzwischen nur noch ein Haufen Alteisen. Ein Teil davon wird eingeschmolzen, ein anderer für andere Skilifte rezykliert. Die ganze letzte Woche wurden die Stützen demontiert. Am Montag transportierte ein Helikopter diese vom alten Standpunkt zum jetzigen.

«Alles ist vergänglich» – so der Kommentar eines Spaziergängers zu den abmontierten Stützen.
Skilift war wichtig für Tourismus
«Der Anblick der Helikopter hat wohl einige Leute im Dorf berührt», sagt der Langenbrucker Gemeindepräsident Hector Herzig. «Da schwingt Wehmut mit.» Viele im Dorf verbänden den Skilift mit ihren ersten Schwüngen auf den Ski, sagt er. Für manche, wohl eher ältere Semester, waren es die ersten überhaupt, für andere die ersten in der Saison, bevor es dann in den Skiferien in ein grösseres Skigebiet ging.
Die Leute im Dorf erinnern sich ebenfalls. Eine ältere Frau, die auf den Bus wartet, sagt, dass ihre Tochter nach der Schule regelmässig Ski fahren gegangen sei. «Die Schulglocke hat geläutet, und dann hiess es: Skischuhe und Ski montieren und ab auf die Piste.»
Sie ist eine der wenigen Personen, die man an diesem kühlen Novembertag im Dorf trifft. Die Beizen an der Hauptstrasse haben alle geschlossen («Heute Ruhetag»), die Ladenlokale suchen neue Mieter. Seit der Transitverkehr nicht mehr über den Hauenstein, sondern über die Autobahn läuft, hat nicht nur das Gastgewerbe im Strassendorf seine lieben Nöte.
Trotzdem ist der Tourismus nach wie vor wichtig für Langenbruck. Heute konzentriert man sich aber auf die Tagesausflügler, die busweise ins Dorf eingefahren werden, und versucht, sich als Kurort zu positionieren.
In früheren Zeiten gab es noch den Skilift. Gemeindepräsident Herzig, der auch Vizepräsident der Skilift AG Langenbruck ist, unterstreicht dessen Bedeutung für den Wintertourismus. «Der Lift hatte eine enorme Bedeutung. Langenbruck war in guten Saisons so etwas wie ein Wintersportort.»
Anfang der 50er-Jahre wurde der Lift erbaut. Rasch gewann er unter Skifahrern aus der Region an Beliebtheit – besonders in den frühen Jahren, als längere Skiferien für viele nicht erschwinglich waren.
Klimawandel macht Skilift den Garaus
Doch die winterliche Herrlichkeit ist in Langenbruck vorbei. Im Juni beschloss die Skilift AG Langenbruck ihre Liquidation, die aktuell noch anläuft.
Schuld sind die steigenden Temperaturen. Es gibt schlichtweg zu wenig Schneetage. Bis ungefähr 1990 war der Skilift im Durchschnitt 60 Tage in Betrieb. Danach nahmen die Betriebstage rapide ab. Letztes Jahr lief der Skilift gerade einmal einen halben Tag. Alles ist vergänglich, besonders der Schnee.
«Gegen den Klimawandel kann man nicht angehen», sagt Peter Hammer. Er ist Sohn von Pius Hammer, einem der Gründer des Skilifts in den 50er-Jahren. Seit dessen Tod im Jahr 2000 war er Hauptaktionär der Skilift AG Langenbruck. «Man hat jedes Jahr auf einen guten Winter gehofft. Das gibt es aber immer weniger.» Die Aktionäre hätten sich «nach langem Zuwarten» entschieden, den «geordneten Rückbau der Skiliftanlage» einzuleiten.
Um die Fixkosten zu decken, muss der Skilift mindestens eine Woche am Stück geöffnet haben. Betriebskosten im fünfstelligen Bereich müssen gestemmt werden.
Ganz wird sich Hammer aber nicht von den Skiliften verabschieden. Den Skilift «Obere Wanne» im oberen Teil des Skigebiets von Langenbruck, der bereits auf Solothurner Boden steht, wird er weiterhin betreiben – privat. Der Lift befindet sich in einem «Schneeloch», wie es Hammer formuliert, startet rund 120 Meter höher als die «Untere Wanne», an einem schattigen Hang, wo der Schnee weniger schnell wegschmilzt.
«Skifahren ist etwas Tolles, die Piste runterzufahren, hat etwas Rauschhaftes», erklärt Hammer sein Engagement. Der Traum vom Schnee – so schnell verblasst er eben doch nicht.