Meine Arbeit

Eine kleine Auswahl meiner Texte aus bz und BaZ. Bis jetzt hatte ich es mit verrückten Seebären, einem ungarischen Geschichtsverdreher, renitenten Dorfbewohnern sowie Hausbesetzerinnen zu tun - Aufzählung unvollständig.

Aus 249 Franken mach 25: Wie ein Basler den Manor austricksen wollte

Aus 249 Franken mach 25: Wie ein Basler den Manor austricksen wollte

Dienstag, Mai 5, 2026

Ein Mann vertauschte im Warenhaus die Etiketten teurer Kleidungsstücke mit jenen von billigeren Kleidern. Einmal kam er damit durch.

Wer hat es nicht schon erlebt: Man geht durchs Kleidergeschäft, erblickt eine elegante Jacke oder einen schönen Pullover und sieht sich in seiner Vorstellung schon damit durch die Stadt wandeln. Die herrliche Traumwelt fällt aber in sich zusammen, sobald man das Preisschild sieht. Denn gerade Markenkleider – Lacoste, Ralph Lauren, Tommy Hilfiger – kosten etwas.

Die allermeisten würden entweder die teure Ware mit zusammengebissenen Zähnen kaufen oder den Tagtraum eben Tagtraum sein lassen. Nicht so der Basler nordmazedonischer Staatsbürgerschaft, der wegen mehrfachen versuchten Betrugs, geringfügigen Betrugs und mehrfacher Urkundenfälschung per Strafbefehl verurteilt wurde.

Betrug im Manor

Er hatte eine Masche ausgeheckt, die einem trotz ihrer Dreistigkeit ein Schmunzeln entlockt. Regelmässig besuchte er das Manor-Warenhaus an der Greifengasse. Dort tauschte er die Etiketten teurer Kleider mit solchen günstigerer – und wollte sich so Hunderte Franken «sparen».

An einem Vormittag im Januar griff er sich einen Herrenblouson (Preis: 249.90 Franken) und ein T-Shirt (Preis: 25 Franken), ging damit in die Umkleidekabine und klebte die beiden Etiketten um. Wie es im Strafbefehl etwas umständlich heisst, beabsichtigte er, «zu seinem unrechtmässigen Vorteil das Kassenpersonal über die tatsächliche Höhe des zu kaufenden Blousons» zu täuschen. Das gelang ihm in diesem Fall auch: Der Blouson ging für nur 25 Franken über den Ladentisch. Damit hatte der Mann den Manor um 224.90 Franken betrogen.

Der Betrüger hatte eine Schwäche für die Kleider von Tommy Hilfiger. (Foto: Imago)

Tommy Hilfiger bevorzugte Marke

Zwei weitere Ausflüge in den Manor verliefen für den Beschuldigten weniger glimpflich. Bereits einen Tag nachdem er die Warenhauskette betrogen hatte, erschien er wieder im Geschäft. Diesmal wollte er sich zwei Hosen und eine Jacke von Tommy Hilfiger für relativ wenig Geld ergattern – offenbar war er nach der erfolgreichen Gaunerei vom Vortag riskanter unterwegs.

Er tauschte die beiden Hosen, die 119.90 Franken respektive 149.90 Franken kosteten, sowie die Jacke zu 249.90 Franken mit den Preisschildern dreier T-Shirts um. Deren Preise betrugen 44.90 Franken, 39.95 Franken und 40 Franken. Insgesamt wollte er also 394.85 Franken weniger ausgeben, als eigentlich vorgesehen war.

Diesmal erkannte das Personal an der Kasse den Betrug und liess sich nicht täuschen. Nachdem er aufgeflogen war, verliess er «unverrichteter Dinge» das Warenhaus, wie im Strafbefehl dokumentiert wird. Der Manor erstattete am gleichen Tag Strafanzeige.

Etikettentausch fliegt auf

Offenbar konnte man den Mann aber nicht dingfest machen. Denn genau einen Monat später, Mitte Februar, versuchte er die gleiche Trickserei schon wieder. Diesmal hatte er eine Tasche von Michael Kors (Kostenpunkt: 249 Franken) und eine Jacke von Tommy Hilfiger (Preis: 249.90 Franken) im Blick. Er tauschte deren Etiketten mit T-Shirts im Wert von 44.90 und 99.90 Franken – letzteres war zudem zu 40 Prozent reduziert. Den Manor hätte er damit um 394.85 Franken getäuscht.

Die Verkäuferin erkannte den Betrug. Obwohl der Beschuldigte auch dieses Mal das Geschäft «unverrichteter Dinge» verliess, konnte er offenbar geschnappt werden. Nach dem Betrugsversuch im Februar sind keine weiteren Delikte dokumentiert.

Die Staatsanwaltschaft verurteilte den Mann zu einer bedingten Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu je 30 Franken. Für den nicht vorbestraften Mann gilt eine Probezeit von zwei Jahren.

Ebenso muss er eine Busse von 800 Franken bezahlen und für die Verfahrenskosten aufkommen. Die Abschlussgebühr beträgt 900 Franken, die Auslagen beziffern sich auf 61.60 Franken. Insgesamt muss er 1761.60 Franken berappen. Die Masche, mit der er günstiger hatte davonkommen wollen, entpuppte sich als teure Angelegenheit.

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