Meine Arbeit

Eine kleine Auswahl meiner Texte aus bz und BaZ. Bis jetzt hatte ich es mit verrückten Seebären, einem ungarischen Geschichtsverdreher, renitenten Dorfbewohnern sowie Hausbesetzerinnen zu tun - Aufzählung unvollständig.

Geschenke kriegen nur jene mit den teuersten Tickets

Geschenke kriegen nur jene mit den teuersten Tickets

Freitag, Mai 8, 2026

In der Pause geht es beim FCB-Match um die Bell-Wurst. Doch in der Kiss-Cam erscheinen nur jene, die sowieso schon alles haben. Eine Glosse.

«Erfolg isch nid alles im Läbe», heisst es in einem der berühmtesten FCB-Fangesänge. Es ist eine Weisheit, die sich auf vieles anwenden lässt. So etwa auf das Bell-Pausenspiel, das an jedem FCB-Match durchgeführt wird.

Hier geht es sprichwörtlich um die Wurst. Zu gewinnen gibt es einen Geschenkkorb mit zahlreichen Bell-Spezialitäten. Von der beliebten Joggeli-Wurst bis zum Beefburger ist alles dabei. Ausgewählt wird nach Zufallsprinzip, wie bei einer Kiss-Cam. Die Kamera sucht eine Person, die herzhaft in ihre Wurst beisst. Wer Glück und Wurst hat, gewinnt.

Doch es gibt einen Haken. Vielleicht wird es dem einen oder anderen Zuschauer aufgefallen sein: Den Geschenkkorb gewinnen nur Personen, die auf der Haupttribüne sitzen. Die restlichen Zuschauer gehen leer aus – sie sind, um beim Thema zu bleiben, die armen Würstchen.

Ungleichheit im Joggeli

Der FCB bestätigt, dass «aus kameratechnischen und organisatorischen und logistischen Gründen» das Pausenspiel nur im Sektor A stattfinde. Es sei zum Beispiel «jeweils gar nicht so einfach, auf die Schnelle jemanden einzufangen, der/die eine Wurst isst.» Natürlich wird vor dem Pausenspiel nicht erwähnt, dass nur Personen auf der Haupttribüne den Gewinn einheimsen können.

Man könnte resümieren: Alle Menschen sind gleich, aber manche sind gleicher. Ausgerechnet die Zuschauer, die auf der Haupttribüne sitzen, und nur sie, haben die Möglichkeit, den Geschenkkorb zu ergattern. Sie, die dort sitzen, wo die Tickets ohnehin am teuersten sind, wo wegen der Loge der Glamour- und Cüpli-Faktor am höchsten ist. Einmal mehr gilt: Wer hat, der hat.

So manche linken Theoretiker in ihren dunklen Studierkammern fühlen sich bestätigt. Es wird ein Trugbild der Gleichheit verkauft, aber am Schluss sahnen nur die Privilegierten ab. Chancengleichheit? Ein Witz!

Etwas nüchterner betrachtet, könnte man einwenden, dass es eben ein Glücksspiel ist. Diese leben von der Illusion, dass man eine Chance hat zu gewinnen. Leider ist diese aber verschwindend klein. Gewinnen kann nur eine Person. Besonders, wenn sie auf der richtigen Tribüne sitzt.

Bei aller Tragik gibt es eine gute Seite: Vielen dürfte das Spiel – und die Werbebespassung – ziemlich wurst sein.

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