Eine kleine Auswahl meiner Texte aus bz und BaZ. Bis jetzt hatte ich es mit verrückten Seebären, einem ungarischen Geschichtsverdreher, renitenten Dorfbewohnern sowie Hausbesetzerinnen zu tun - Aufzählung unvollständig.
Meine Arbeit

Ältere Personen leiden besonders unter der Hitze. Das Kunstmuseum bietet Zuflucht – für Kunstinteressierte wie auch für jene, die schon lange nicht mehr da waren.
Eine historische Hitzewelle rollt über Basel. Am Donnerstag wurde der Juni-Hitzerekord gebrochen: 38 Grad! Und einen Tag später, am Freitag, sind es gemäss Meteo Schweiz bereits 39 Grad. Die Stadt ächzt, schwitzt und lechzt nach Abkühlung.
Eine Möglichkeit, um sich abzukühlen, bietet dieser Tage das Kunstmuseum, insbesondere für ältere Personen. Herrlich kühle 21 Grad herrschen im Museum – das ganze Jahr. Um die wertvollen Holbeins und Picassos zu konservieren, gelten strenge Temperaturvorgaben. Noch bis zum 5. Juli können Menschen über 65 kostenlos ins Museum.
Wie wird das Angebot genutzt? Die BaZ hat einen kleinen Rundgang gemacht.
Abkühlung und kritische Lektüre

Dieter liest in einem Buch zu Provenienzforschung am Kunstmuseum und war schon lange nicht mehr hier. (Foto: Domink Plüss)
Dieter hat es sich auf dem Sofa im 1. Stock gemütlich gemacht. In dem Hawaiihemd, die obersten Knöpfe offen, den kurzen Hosen und den Badeschlappen wirkt er äusserst entspannt. Als ihn die BaZ anspricht, ist er in die Lektüre eines Buchs über Provenienzforschung am Kunstmuseum vertieft.
Der Band thematisiert Kunstwerke, die das Museum während des Nationalsozialismus direkt oder indirekt von jüdischen Sammlern erworben hat – wobei es deren Notlage teilweise ausgenutzt hat.
Auf die Frage, ob er wegen der hohen Kunst oder wegen der Abkühlung gekommen sei, gibt er freimütig zu: «Wegen der Abkühlung!» Er fügt schelmisch an: «Ich war schon sehr lange nicht mehr hier. Es müssen 40 Jahre sein.»
Ein Kunstbanause ist er aber nicht. Doch mit dem elitären Ambiente des Kunstmuseums – oder von Kunstmuseen überhaupt – scheint er zu fremdeln. «Der Kanton investiert viel Geld in das Kunstmuseum oder in das Sinfonieorchester. Alternative Kultur wird weniger beachtet.»
Ihm gefällt vor allem die Kultur «von unten.» Als Bewohner des Klybeck habe er das Zack besucht, also die besetzten Gebäude auf dem Klybeckareal, in denen die Besetzer ein autonomes Kulturzentrum eingerichtet haben. Das sei «ein Ort, an dem es sehr viel Kultur» gebe, der aber bedroht sei.
Trotz kritischer Distanz und langer Abwesenheit: Im Museum gefällt es ihm. Für die Gratisaktion findet er nur lobende Worte. «Und jetzt habe ich dieses Buch entdeckt – sehr interessant!» Irgendwie passt es, dass er in einem Buch schmökert, das die Geschichte des Kunstmuseums kritisch aufarbeitet.
Holbein während der Hitzewelle

René Leimgruber ist 91 und geht regelmässig an die Art Basel. (Foto: Dominik Plüss)
René Leimgruber macht mit seiner Digitalkamera ein Foto von Hans Holbeins Darstellung des Erasmus von Rotterdam – ihm gefalle die «Genauigkeit», mit der Holbein den berühmten Gelehrten der Renaissance gemalt habe, sagt er.
Auch er ist schon länger nicht mehr im Kunstmuseum gewesen und hat die Gelegenheit genutzt. «Ich habe von der Aktion in der Zeitung gelesen.» Leimgruber ist kunstinteressiert, «ich gehe regelmässig an die Art Basel».
Obwohl er sagt, er sei nicht nur wegen der Kunst, sondern auch wegen der Abkühlung gekommen, scheint ihm die Hitze wenig auszumachen. Es kommt kein klagendes Wort über seine Lippen. «Ich erinnere mich, wie ich als Kleiner durch das Iselinquartier spaziert bin, in kurzen Hosen und oberkörperfrei. Früher war es auch schon heiss.»
Überhaupt scheint er unverwüstlich zu sein. 91 Jahre alt ist er, wie er sagt – man will es ihm fast nicht abnehmen, sieht er doch einiges jünger aus. «Soll ich meinen Ausweis zeigen?», fragt er lächelnd.
Für eine Tour durch Basel ist es zu heiss

Cecile und Gustaaf de Clercq sind wegen der Hitze ins kühle Museum ausgewichen. (Foto: Dominik Plüss)
Die alten Meister im Hauptbau hat das belgische Ehepaar Cecile und Gustaaf de Clercq bereits hinter sich gelassen. Nun wandeln die beiden durch den Neubau, der so heruntergekühlt wie eine Shoppingmall ist.
Darauf angesprochen, ob sie wegen des freien Eintritts gekommen seien, weisen sie prompt auf den violetten Badge auf ihren Kleidern. Sie wären aber auch so gekommen, denn sie seien sehr kunstinteressiert. Mit einer Gruppe Freunde reisen sie eine Woche durch die Schweiz. «Wegen der Hitze mussten wir unser Programm hier in Basel anpassen. Bei 39 Grad kann man keine Stadttour machen.»
Wie das Kunstmuseum auf Nachfrage bekannt gibt, haben am Dienstag und am Mittwoch rund 10 Prozent der Besucherinnen und Besucher das Gratisangebot genutzt. Am Freitagnachmittag scheint sich der Ansturm zwar in Grenzen zu halten. Eines ist aber klar: Sowohl Kunstinteressierte als auch jene, die schon länger nicht mehr hier waren, haben den Weg ins Museum gefunden.