Meine Arbeit

Eine kleine Auswahl meiner Texte aus bz und BaZ. Bis jetzt hatte ich es mit verrückten Seebären, einem ungarischen Geschichtsverdreher, renitenten Dorfbewohnern sowie Hausbesetzerinnen zu tun - Aufzählung unvollständig.

Wie Mario di Prete in Basel die «Napolimania» entfachte

Wie Mario di Prete in Basel die «Napolimania» entfachte

Freitag, April 3, 2026

2013 eröffnete der Gastronom am Birsig-Parkplatz die erste neapolitanische Pizzeria der Stadt. Nach einem schweren Start überzeugte er die Basler von seinem Pizzastil.

(mit Luca Thoma)

Napoli ist nicht einfach eine Stadt. Napoli ist eine Verheissung. Und die Pizza Napoletana ist, so sagen die Einheimischen, die einzig wahre. Wenn sie frisch aus dem Ofen kommt, dünner Teig, hoher Rand, frischer Sugo und zarter Mozzarella, beisst man in ein Lebensgefühl – oder zumindest in das, was man sich in seinen romantischen Träumereien vorstellt: verwinkelte Altstadtgassen, flitzende Vespas und überall Maradona-Schreine.

Die «Napolimania» hat inzwischen die Welt infiziert. Gefühlt an jeder Ecke gibt es eine neapolitanische Pizzeria. Allein in Basel haben sich mindestens zehn Lokale der Pizza Napoletana verschrieben. Kürzlich eröffnet haben unter anderem die Pizzeria Otto an der Hammerstrasse, das Lokal Spaccanapoli in der Starbites Foodhall und die Pizzakette Luigia an der Elisabethenstrasse.

Die Auswahl ist gross – aber: «Das Original sind wir», sagt Mario di Prete, Gründer der Pizzeria Artigiano, lächelnd. Der Gastronom hat 2013 das Restaurant am Birsig-Parkplatz eröffnet – und damit die Pizza Napoletana nach Basel gebracht. Das Lokal ist laut di Prete auch eine der ersten Pizzerias in der Schweiz, die sich auf die neapolitanische Variante spezialisiert haben.

Pizza Hawaii? Ja, aber nur für den saftigen Preis von 100 Franken. Ein einziges Mal habe er eine verkauft, sagt di Prete. (Foto: Pino Covino)

Der Erfolg von Mario di Prete war nicht vorgezeichnet

Trotz der selbstbewussten Worte: Di Prete ist kein Showman. Ruhig, fast ein wenig zurückhaltend, erzählt er über seinen Werdegang. Falsche Bescheidenheit hat er aber auch nicht nötig. Das Geschäft läuft – inzwischen hat er weltweit fünf Pizzerias eröffnet.

Doch der heutige Erfolg war nicht vorgezeichnet. «Viele sagten mir: ‹Die Leute hier wollen keine neapolitanische Pizza, sie mögen es knusprig und flach.›» Für di Prete, der jahrelang als Pizzaiolo und Koch arbeitete, bevor er selbstständig wurde, war die Pizza Napoletana aber eine Glaubenssache. 

Denn für Neapolitaner – er selbst wuchs in der Nähe der Stadt auf und wanderte als 17-Jähriger in die Schweiz aus – gibt es nur eine richtige Pizza, nämlich jene aus der Stadt am Fusse des Vesuvs. «Als Pizzaiolo musste ich lange die falsche Pizza machen – mit Schmerz», sagt er mit einem Augenzwinkern.

Auch der Ort des Lokals war keine Wahl, die auf der Hand lag. Viele halten den Birsig-Parkplatz schlicht für hässlich, dazu war er als Strasse bekannt, in der es immer wieder Schlägereien gibt. Was di Prete vom Standort dennoch überzeugte: Die Miete war relativ günstig, und der Ort zentral. 

Was die Pizza Napoletana so besonders macht

Bis die Baslerinnen und Basler auf den Geschmack kamen, dauerte es jedoch quälend lange. «Die ersten Monate habe ich hier fast alleine verbracht», sagt er. Erst mussten die Baslerinnen und Basler auf den Geschmack kommen: «Bei der dritten Pizza Napoletana, die du isst, macht es klick: Danach bist du verliebt und willst nie wieder eine andere.»

Sie unterscheidet sich von der herkömmlichen italienischen Pizza. Der Teig ist weicher und luftiger und wird mit besonders viel Wasser zubereitet. Er ruht 24 Stunden. Im Gegensatz zur Standardpizza wird er während der Ruhezeit nicht in den Kühlschrank gestellt.

Daran fanden die Basler nach und nach Gefallen. Das Geschäft lief gar so gut an, dass es nicht bei einem Restaurant bleiben sollte. Inzwischen betreibt di Prete auch Filialen in Bern, Windisch, Napoli – und in Punta Cana in der Dominikanischen Republik. Zu dieser unerwarteten Destination kam di Prete über seine Frau, die aus der Inselrepublik stammt. 

Die Expansion beruhte auf Kontakten, die di Prete in der Vergangenheit geknüpft hatte. Jetzt sagt er: «Wenn ich das Geschäft weiter ausbauen möchte, dann nur im Franchisemodell, wie das bereits in Windisch der Fall ist.»

So international sein Geschäft aufgestellt ist, so puristisch ist di Prete, wenn es um die Pizza selbst geht. «Alle unsere Zutaten stammen aus Kampanien, der Provinz um Napoli», sagt er. In der süditalienischen Region herrscht ein angenehmes Klima, die vulkanischen Böden sind besonders fruchtbar. «Daher sind die Lebensmittel speziell schmackhaft», so der Gastronom.

Mario di Prete setzt kompromisslos auf «Made in Italy»

Auch was die Belegschaft betrifft, setzt di Prete kompromisslos auf «Made in Italy.» Viele der Angestellten kommen aus Napoli oder Kampanien – alle müssen zumindest Italienisch sprechen. «Die Gäste sollen sich wie in einer Pizzeria in Napoli fühlen», sagt di Prete. 

Di Pretes wirtschaftlicher Erfolg ist so etwas wie ein Symbol für die «Napolimania». Vor 15 Jahren ass noch niemand neapolitanische Pizza, heute ist sie überall. Warum? Di Prete vermutet, dass es mit dem Tourismus zu tun hat. Tatsächlich besuchen seit rund zehn Jahren immer mehr Touristen die Hauptstadt Kampaniens, so viele, dass man in Napoli bereits über eine Eintrittsgebühr für die Innenstadt diskutierte.

Ebenso meint er, dass bis vor wenigen Jahren weniger Neapolitaner ausgewandert seien. Daher sei die Pizza Napoletana ausserhalb Napolis so lange kaum bekannt gewesen. «Die Neapolitaner sind mit ihrer Stadt sehr verbunden. Die halten es woanders nicht lange aus.»

Wer in eine Pizza Napoletana beisst, kann das Heimweh der Ausgewanderten nachvollziehen: In dieser lauten und quirligen Stadt am Fusse des Vesuvs isst und trinkt man wie an kaum einem anderen Fleck dieser Erde. Und schon versinkt man in romantischen Träumereien.

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